Die Mensur
Die Germania ist eine schlagende Verbindung. Das heißt, dass unsere jungen Mitglieder (Aktive) Mensuren mit den Mitgliedern anderer schlagender Verbindungen fechten. Der Begriff Mensur bezeichnet dabei technisch gesehen den Abstand der beiden Fechter, der Paukanten.
Die Frage ist natürlich: Warum machen wir das überhaupt?
Für die Beantwortung dieser Frage gibt es nicht DEN einen Grund zu nennen, sondern vielmehr ein Bündel an unterschiedlichen Motiven, die zusammengenommen werden müssen.
Zuallererst muss man bedenken, dass wir in einer 200jährigen Tradition nicht nur gelebter Werte, sondern vor allem auch sogenannter (studentischer) Brauchtumspflege stehen. Durch die Übung all unserer Sitten und Bräuche, von denen die Mensur zwar nur einen kleinen, aber nicht unwesentlichen Bestandteil darstellt, halten wir das Andenken an die Werte und die Leistungen unsere Vor- und Gründerväter lebendig und der Opfer, die sie für diese Werte gebracht haben. In Fortführung dieser Tradition steht die Mensur für uns auch symbolisch für unseren unbedingten Einstandswillen für unsere Werte, insbesondere die Freiheit, die wir niemals als Selbstverständlichkeit betrachten.
Das tägliche gemeinsame Üben (Pauken) stärkt den Zusammenhalt und schult wie jeder (Kampf-) Sport über die eigentliche Fertigkeit hinaus in Disziplin, Geduld, Selbstvertrauen, Respekt und unbedingter Achtung vor den Regeln (Comment). Dieses kontinuierliche Training versetzt den jungen Fechter (Paukanten) dann final in die Lage, eine starke Druck- und Angstsituation wie die der Mensur nicht einfach nur auszuhalten, sondern im Gegenteil maximal handlungsfähig dabei zu bleiben. Ebenfalls erweisen sich die hierbei gewonnenen Erfahrungen auf dem weiteren Lebensweg regelmäßig als unschätzbarer Vorteil.
Verletzungsrisiko: Der Vollständigkeit halber soll erwähnt sein, dass das Risko ernsthafter Verletzungen gegen Null geht. Die meisten Mensuren insbesondere bei Anfängern in ihren Pflichtpartien enden gänzlich “unblutig”. Erst bei fortschreitender Erfahrung und wachsender Partienanzahl steigt das Risiko einer Schnittverletzung im Kopf-Gesicht Bereich (Schmiss), allerdings durch eine stetig desinfizierte Klinge und unter ständiger ärztlicher Versorgung. In seltenen Fällen bleiben sichtbare Narben. Im Gegensatz zu Früher sind diese auch nicht mehr explizit erwünscht, um die Zugehörigkeit zum akademischen Stand zu demonstrieren. Nicht nur jeder andere gesellschaftlich vollkommen akzeptierte Vollkontakt-Kampfsport birgt ein ungleich höheres Verletzungspotential und Risiko, sondern faktisch auch fast jeder sonstige Freizeitsport wie Klettern, Drachenfliegen, Radfahren oder Fußballspielen etc.. Dauerhafte Verletzungen oder gar Todesfälle sind im akademischen Fechten nach dem zweiten Weltkrieg jedenfalls nicht bekannt. Um aber fair zu bleiben, die Angst bleibt sehr real ;-)
Bundesbruder im Sekundantenplastron